Wenn man einen Kimono auswählt, stößt man möglicherweise auf den Begriff „reine Seide (Shōken)“.
„Was für ein Material ist reine Seide?“
„Ist das etwas anderes als Seide oder Silk?“
„Wie erkennt man einen Polyester-Kimono?“
Vielleicht haben auch Sie sich schon einmal diese Fragen gestellt.
Reine Seide ist ein Material, das seit jeher für japanische Kleidungsstücke wie Kimonos und Obi verwendet wird. Mit ihrem charakteristischen Glanz und ihrer glatten Haptik wurde sie häufig auch für hochwertige Kimonos eingesetzt.
In diesem Artikel werden die Bedeutung und Merkmale reiner Seide, die Unterschiede zwischen Seide, Silk und reiner Seide sowie die wichtigsten Punkte zur Unterscheidung von reiner Seide und Polyester verständlich erklärt.
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet reine Seide (Shōken)?
- Was ist der Unterschied zwischen reiner Seide, Seide und Silk?
- Merkmale und Reiz reiner Seide
- Reine Seide und Polyester unterscheiden|7 wichtige Punkte
- Zur Erkennung reiner Seide sollten mehrere Merkmale überprüft werden
- Nicht jeder Kimono besteht aus reiner Seide
- Den Reiz des Kimonos neu interpretiert|TOP WAVE
1. Was bedeutet reine Seide (Shōken)?
Der Begriff reine Seide bezeichnet Fäden oder Gewebe, die zu 100 % aus Seide hergestellt sind.
Seide ist eine Naturfaser, die aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen wird. In Japan wird sie seit jeher für Kimonos, Obi und andere Kleidungsstücke verwendet.
Der große Reiz reiner Seide liegt im edlen Glanz und in der geschmeidigen, glatten Haptik, wie sie nur Naturfasern bieten. Je nach Lichteinfall verändert sich ihre Ausstrahlung und lässt die feinen Farben und Muster von Färbung und Webart besonders schön erscheinen.
Andererseits kann sie auch durch Feuchtigkeit und Reibung beeinträchtigt werden, weshalb bei der Pflege dieses Materials Vorsicht geboten ist.
2. Was ist der Unterschied zwischen reiner Seide, Seide und Silk?
„Reine Seide“, „Seide“ und „Silk“ sind ähnliche Begriffe, doch ihre Bedeutungen lassen sich leichter unterscheiden, wenn man sie ordnet.
Seide bezeichnet die Naturfaser selbst, die aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen wird. Und Silk bedeutet auf Englisch „Seide“, weshalb sich Seide und Silk grundsätzlich auf dasselbe Material beziehen.
Andererseits bezeichnet reine Seide (Shōken) etwas, das ohne Beimischung anderer Faserarten zu 100 % aus Seide hergestellt ist.
Kurz gesagt lässt es sich am einfachsten so merken: „Seide = Bezeichnung des Materials, Silk = englische Bezeichnung für Seide, reine Seide = 100 % Seide“.
3. Merkmale und Reiz reiner Seide
Ein besonderer Reiz reiner Seide ist ihr weicher Glanz mit großer Tiefe. Je nach Betrachtungswinkel und Lichteinfall verändert sich ihre feine Ausstrahlung und bringt die Farben und Muster des Kimonos besonders schön zur Geltung.
Charakteristisch ist außerdem die geschmeidige und glatte Haptik. Seide besitzt feuchtigkeitsaufnehmende und feuchtigkeitsabgebende Eigenschaften und kann dadurch die Feuchtigkeit innerhalb der Kleidung leichter regulieren.
Zusätzlich zur Schönheit des Materials selbst liegt der Reiz von Kimonos aus reiner Seide auch darin, dass die Kombination mit Techniken wie Färben, Weben und Sticken jedem Kleidungsstück eine ganz eigene Ausstrahlung verleiht.
4. Reine Seide und Polyester unterscheiden|7 wichtige Punkte
Wenn die Qualitätsangaben des Kimonos noch vorhanden sind, sollte man zunächst die Materialangabe überprüfen.
Bei alten Kimonos oder Vintage-Kimonos sind Qualitätsangaben oder Informationen aus der Kaufzeit jedoch möglicherweise nicht mehr vorhanden. In solchen Fällen können die folgenden Merkmale als Hinweise zur Unterscheidung dienen.
① Das „Seidenknirschen“ beim Aneinanderreiben des Stoffes
Eine bekannte Methode, reine Seide zu erkennen, ist das „Seidenknirschen (Kinunari)“.
Wenn man Seidenstoffe leicht aneinanderreibt, kann ein charakteristisches „Knirsch, knirsch“ und ein entsprechendes Gefühl entstehen. Bei Polyester tritt dieses Empfinden seltener auf, weshalb es als eines der Kriterien dienen kann.
Da die Stärke des Seidenknirschens jedoch je nach Webart, Verarbeitung und Zustand des Stoffes unterschiedlich ist, kann man nicht davon ausgehen, dass „kein Geräusch = keine reine Seide“ bedeutet.
② Haptik beim Berühren mit der Hand
Reine Seide ist im Allgemeinen geschmeidig und glatt, kann sich an den Fingerspitzen jedoch leicht widerständig anfühlen.
Polyester hat dagegen vergleichsweise häufig eine gleichmäßige Oberfläche und fühlt sich glatt und rutschig an.
Da es inzwischen jedoch auch Synthetikfasern mit einer seidenähnlichen Haptik gibt, lässt sich anhand der Haptik allein nicht eindeutig feststellen, ob es sich um reine Seide handelt.
③ Wie der Glanz wirkt
Bei reiner Seide verändert sich der Glanz tendenziell weich je nach Lichteinfallsrichtung. Wenn man den Stoff im natürlichen Licht leicht neigt, kann man einen Glanz mit besonderer Tiefe wahrnehmen.
Polyester reflektiert das Licht je nach Produkt relativ gleichmäßig und kann dadurch stark glänzend wirken.
Da sich die Optik jedoch je nach Webart und Oberflächenbehandlung verändert, ist auch dies nur ein ergänzendes Kriterium.
④ Falten beim Zusammendrücken
Auch der Zustand nach dem leichten Zusammendrücken und anschließenden Loslassen, ohne den Stoff zu beschädigen, kann als Hinweis dienen.
Da reine Seide eine Naturfaser ist, können Druckstellen und Falten vergleichsweise lange sichtbar bleiben. Polyester neigt dagegen im Allgemeinen dazu, dass sich Falten leichter wieder glätten.
Allerdings gibt es auch je nach Stoffdicke, Webart und Verarbeitungsmethode Unterschiede.
⑤ Statische Elektrizität und Anhaften
Synthetische Fasern wie Polyester laden sich in trockener Umgebung leicht statisch auf, wodurch sich der Stoff an den Körper geheftet anfühlen kann.
Auch bei reiner Seide tritt nicht grundsätzlich keinerlei statische Elektrizität auf. Starke statische Aufladung oder ein Anhaften des Stoffes können jedoch einen Anhaltspunkt für die Materialbestimmung liefern.
⑥ Tragegefühl beim Schwitzen
Seide nimmt Feuchtigkeit auf und kann die Feuchtigkeit im Inneren der Kleidung absorbieren.
Polyester nimmt im Allgemeinen nur wenig Feuchtigkeit auf, weshalb sich der Stoff bei starkem Schwitzen stickig anfühlen oder an der Haut haften kann.
Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Untersuchungsmethode zur eindeutigen Bestimmung des Materials. Auch die Trageeigenschaften können sich je nach Stoffdicke, Webart, Futter und Verarbeitung verändern.
⑦ Den Brennvorgang des Garns prüfen: „Brenntest“
Eine Methode zur Unterscheidung von Fasern ist der „Brenntest“.
Da Seide aus tierischem Protein besteht, entsteht beim Verbrennen ein Geruch ähnlich dem von verbranntem Haar oder Gefieder; anschließend bleibt sie meist schwarz und zerfällt leicht zu ascheartigen Rückständen.
Polyester schmilzt beim Verbrennen unter Wärmeeinwirkung und neigt dazu, beim Abkühlen harte, körnige Rückstände zu hinterlassen.
5. Zur Unterscheidung reiner Seide mehrere Merkmale prüfen
Wichtig bei der Unterscheidung von reiner Seide ist, reine Seide nicht anhand eines einzigen Merkmals festzustellen.
Durch eine umfassende Prüfung mehrerer Merkmale wie Seidenknistern, Haptik, Glanz und Knitterverhalten können zusätzliche Anhaltspunkte gewonnen werden.
Diese Angaben dienen jedoch lediglich als Richtwerte. Wenn eine genaue Bestimmung erforderlich ist, etwa für die Materialangabe beim Verkauf, kann eine Faseranalyse durch Fachleute oder ein Prüfinstitut durchgeführt werden.
6. Nicht jeder Kimono besteht aus reiner Seide

Manche verbinden „Kimono“ vielleicht mit „reiner Seide“, doch nicht alle Kimonos bestehen aus reiner Seide.
Neben Seide werden für Kimonos auch verschiedene andere Materialien wie Baumwolle, Leinen, Wolle und Polyester verwendet.
Es gibt auch Kimonos aus „交織 (こうしょく)“, bei denen verschiedene Garnarten miteinander verwoben werden.
Beispielsweise können Seiden- und Baumwollgarn oder Seiden- und Wollgarn miteinander kombiniert und zu einem Stoff verwoben werden. Daher gilt: Auch wenn ein Kimono aus Seide besteht, bedeutet „reine Seide“ nicht zwangsläufig „100 % Seide“.
„交織“ und „混紡“ sind außerdem streng genommen nicht dasselbe. „交織“ bezeichnet das Weben mit verschiedenen Garnarten, während „混紡“ bedeutet, verschiedene Faserarten zu einer einzigen Garnart zu vermischen.
Gerade bei Vintage-Kimonos sind Qualitätsangaben oder Informationen zum Zeitpunkt des Kaufs oft nicht mehr vorhanden. In solchen Fällen ist Vorsicht geboten, wenn man anhand des Aussehens oder der Haptik „reine Seide“ oder „Silk“ feststellt.
Der Charme alter Kimonos wird jedoch nicht allein durch das Material bestimmt. Farben, Muster, Webarten und die durch viele Jahre entstandene Beschaffenheit verleihen jedem einzelnen Stück einen ganz eigenen Reiz.
7. Den Charme von Kimonos in eine neue Form bringen|TOP WAVE
TOP WAVE upcycelt nicht mehr verwendete Vintage-Kimonos zu moderner Mode.
Jeden Kimono nehmen wir einzeln auseinander, waschen ihn und schneiden und nähen ihn zu, während wir den Zustand des Stoffes und die Position der Muster prüfen. Dabei fertigen wir neue Kleidung an, die die Farben und Muster des Kimonos zur Geltung bringt.
Insbesondere Kimonos als Hawaiihemden sind Kleidungsstücke, mit denen sich die für Kimonos typischen auffälligen Muster und Farben als alltagstaugliche Mode genießen lassen.
Die verwendeten Vintage-Kimonos bestehen aus verschiedenen Materialien, und bei einigen sind keine Materialangaben erhalten. Deshalb ist es uns wichtig, nicht pauschal „reine Seide“ zu sagen, sondern die Muster, Farben, Webarten und den Charakter jedes einzelnen Kimonos zur Geltung zu bringen.
Etwas über die Materialien zu erfahren, ist ein möglicher Einstieg in die Welt der Kimonos. Wenn Sie die besonderen Eigenschaften von reiner Seide kennenlernen, können Sie zugleich den Charme von Kimonos entdecken, der sich nicht allein durch das Material erklären lässt.
